Die Realisierung dieser Projektklasse wurde durch mehrere Ereignisse beeinflusst. Zuerst einmal startete ich (Steffen Jakowski) im Schuljahr 16/17 gemeinsam mit unserem neuen Konrektor Tilo Bödigheimer an der Hardbergschule Mosbach. Herr Bödigheimer war zuvor am SBBZ Lernen in Daudenzell tätig und initiierte dort die Möglichkeit mit iPads zu lernen. Somit verfügt er über Kompetenzen im Bereich der Planung, Finanzierung, Beschaffung, Einrichtung und Verwaltung von iPads. Durch seine Erfahrungen im Unterrichten mit dem iPad ist er auch in der Lage, den Umgang und die didaktische Umsetzung mit dem iPad an seine Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Dies war für mich eine sehr große Bereicherung, denn ich hatte die Möglichkei,t das komplette Projekt „iPad“ an unserer Schule mit zu betreuen und von Herrn Bödigheimer zu lernen. Komplett neu war die Thematik für mich nicht, denn ich lernte das iPad als Unterrichtsmedium bereits in meinem Sonderpädagogikstudium in Heidelberg kennen und arbeitete auch in meinem Vorbereitungsdienst mit dem iPad und gab dem dortigen Kollegium Fortbildungen zum Umgang mit diesem Gerät.

Mit der Zustimmung unseres Rektors, der direkt das Potential in dem neuen Medium sah, schafften wir im Januar 2017 circa 20 iPads an. Diese konnten nun vom Kollegium der Hardbergschule für den Unterricht ausgeliehen werden. Die schulinternen Fortbildungen führten Herr Bödigheimer und ich gemeinsam durch, um das Kollegium an die neuen Geräte gewöhnen zu können. Ich setze die iPads immer häufiger im Unterricht ein und meine Klasse zeigte sich schnell sehr talentiert und verantwortungsbewusst im Umgang mit diesen. Meine Kompetenzen im Bereich des Unterrichtens mit iPads verbesserte ich durch diverse Fortbildungen und Onlineplattformen wie den Apple-Teacher.

Im Laufe des Schuljahres trauten sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen an die iPads und setzten sie für ihren Unterricht ein und die Schülerinnen und Schüler waren hochmotiviert in der Arbeit mit den Geräten. Außerdem hatten wir das Glück, durch zahlreiche Spenden (Dietmar-Hopp Stiftung, Sparkasse Neckartal-Odenwald, …) und einen Anerkennungspreis für Medienprojekte der Dieter-Schwarz-Stiftung die finanziellen Möglichkeiten für eine intensivere Arbeit mit den iPads zu haben. Meine Schulleitung kam somit kurz vor den Pfingstferien auf mich zu und fragte mich, ob ich es mir vorstellen könne, im nächsten Schuljahr eine iPad-Klasse zu gründen. Ich war sofort voll begeistert, sie gaben mir aber zu verstehen, dass eine iPad-Klasse viel Arbeit  bedeutet und ein gutes und stimmiges Konzept voraussetzt.

Somit machte ich mich in den Pfingstferien an die Arbeit und erstellte ein Konzept zur Planung, Durchführung und Reflexion der iPad-Klasse. Hierbei orientierte ich mich an bereits bestehenden Konzepten funktionierender iPad-Klassen in der Bundesrepublik und an Fachliteratur. Mein Konzept ist ein dynamisches Konzept, d.h., es ist bis heute nicht endgültig fertiggestellt, sondern wird stetig verändert/erweitert, damit es immer auf dem neusten Stand ist. (Nähere Informationen zu meinem iPad-Konzept gibt es in einem weiteren Blogeintrag.)

Ein wichtiger Punkt für uns war die Evaluation der iPad-Klasse. Denn eine wichtige Haltung unsererseits ist es, dass das iPad ein Unterrichtsmedium ist, das ergänzend zu den bestehenden und bereits bewährten Medien eingesetzt wird. Man sollte somit immer genau überlegen, ob das iPad für eine Unterrichtssequenz einen Vorteil bringt und wie man es einsetzt. Um von dieser Seite her Unterstützung zu bekommen, haben wir uns an die PH-Heidelberg und speziell an Frau Prof. Dr. Werner gewandt, da sie an der PH für die Pädagogik der Lernförderung zuständig ist. Somit trafen Herr Pfeiffer und ich uns mit ihr und stellten ihr unsere Idee vor. Sie fand die Thematik interessant und versprach uns eine Zulassungsarbeit für einen Studenten oder eine Studentin auszuschreiben, die sich näher mit der Theorie und dem Medienkonzept unserer Schule auseinandersetzen könne. Hieraus erhofften wir uns einen kritischen Blick von außerhalb, der uns aufzeigt, an was wir bereits gedacht haben, was aber eventuell auch noch fehlt und wichtige Indikatoren für die didaktische Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht sind. Glücklicherweise fand sich hierzu Frau Gaby Christian, mit der wir nun eng zusammenarbeiten.

Vor dem Start der iPad-Klasse mussten aber noch einige Gremien ihr Einverständnis geben. Somit stellte ich die Idee der Gesamtlehrerkonferenz der Hardbergschule vor. Meine Kolleginnen und Kollegen sahen das Potential der Idee und stimmten zu, gaben mir aber auch gute Denkanstöße, die ich für meine Planung berücksichtigen sollte. Diese Tipps setzte ich um und nun war es daran, die iPad-Klasse in der Schulkonferenz zu beschließen. Auch hier wurde der große Vorteil gesehen, dass wir uns als Schule bereits jetzt auf den Weg in Richtung „zeitgemäße Bildung“ machten, denn wir sind der Überzeugung, dass sich das Konzept der Schulen in den nächsten Jahren verändern wird. Betrachtet man einmal Länder wie die Schweiz, in der jeder Schüler und jede Schülerin das Recht und die Möglichkeit hat, mit einem digitalen Medium zu lernen. 

Dann kam der Beginn des neuen Schuljahres und auch meine Klasse veränderte sich ein bisschen. Ich bekam vier neue Schülerinnen und Schüler hinzu und betreue nun eine Klasse 5/6/7/8. Bei so einer breiten Leistungsheterogenität, wie sie aktuell in meiner Klasse vorherrscht, ist der Einsatz der iPads optimal, da jeder auf seinem eigenen Leistungsniveau und in seiner Lerngeschwindigkeit arbeiten kann. Bis zu den Herbstferien war der Plan, dass sich die Schülerinnen und Schüler an die iPads gewöhnen. Außerdem wurde der sichere Umgang im Internet thematisiert, denn es ist vorgesehen, dass die Schülerinnen und Schüler ihr iPad zu Hause ins WLAN einbinden. Dies ermöglicht generell eine vielfältigere Nutzung des iPads, zum Beispiel das Anschauen von Lernvideos zu Hause. 

Nun stand als letzte Etappe vor der Realisierung noch der Elternabend bevor. Denn ohne die Zustimmung aller Eltern wäre es nicht möglich. Herr Bödigheimer und ich konnten sie vom Potential des iPads als Lernmittel überzeugen und alle sagten zu. Wir gingen mit ihnen und den Schülerinnen und Schülern auch eine Datenschutz- und Nutzerordnung durch, denn die Eltern sind zu Hause für den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit dem iPad verantwortlich.

Also stand dem Start der 1:1 iPad-Klasse nichts mehr im Wege und so kam es nach den Herbstferien zu einer feierlichen Übergabe durch die Schulleitung. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr stolz auf ihre iPads, versprachen aber auch, sich an die bereits vorher besprochenen Regeln zu halten. Denn im Falle einer Nichtbeachtung dieser werden die iPads von unserer Seite wieder eingezogen. Eine große Unterstützung erfahre ich aktuell durch Frau Ann-Kathrin Boschert, die Anfang Oktober ihr ISP (integriertes Semesterpraktikum) in meiner Klasse durchführt. Ich stellte ihr vorher das Konzept der iPad-Klasse vor und sie hatte Interesse, sich in diesem neuen Lernfeld Kompetenzen anzueignen. Seither ist sie mir in der täglichen Arbeit mit den iPads eine tatkräftige Unterstützung und sie führt auch ihre eigenen iPad-Projekte mit der Klasse durch.

Über die aktuellen Entwicklungen meiner iPad-Klasse und gelungene und auch nicht gelungene Unterrichtssequenzen werde ich von nun an in diesem Blog berichten. Für Anregungen, Fragen und Kritik bin ich offen und sehr dankbar. Eines muss ich aber sagen: Eine 1:1 iPad-Klasse ist eine große Herausforderung, die investierte Arbeit zahlt sich aber doppelt und dreifach aus, wenn man die Motivation und Begeisterung der Schülerinnen und Schüler sieht.

Viele Grüße

Steffen Jakowski

 

  

Die iPadklasse – von der Idee bis zum Start

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